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Allein, aber nicht einsam!

Ein Erlebnisbericht von Friedhelm Görge

Wenn circa 20000 Radsportler gleichzeitig ein Rennen fahren, befindet man sich wahrscheinlich bei dem größten Jedermann-Rennen Deutschlands, den "Vattenfall Cyclassics" in Hamburg.

Am 21. August fand die Veranstaltung zum 16. Mal statt.

In diesem Jahr wollten sich Roland Lohse und ich unter die Radsportler mischen und die 100 km-Strecke (genau 102,5 km) unter die dünnen Reifen nehmen. Leider zerstörte eine unvorsichtige Linksabbiegerin zuerst Rolands Schlüsselbein und dann seine Startabsichten. So kam es, dass ich der einzige Starter des RSC Grünberg in Hamburg blieb. Das tat allerdings dem Erlebniswert keinen Abbruch.

Am Samstag konnten die Startunterlagen in der Hamburger Innenstadt abgeholt werden. Hier hatte man Gelegenheit, sich bei herrlichem Wetter die Zeit im Messe- und Ausstellungsbereich an den prominentesten Punkten der Hamburger Innenstadt, nämlich dem Rathausplatz und dem Jungfernstieg an der Binnenalster zu vertreiben.

Am nächsten Morgen versammelten sich die Radsportler ab 07:00 Uhr in den Startblöcken. So viele Starter einigermaßen ordentlich auf die Strecke zu schicken, ist ein organisatorisches Meisterwerk. In 1000er !! Startblöcken wurde Aufstellung genommen und sehnsüchtig der Start erwartet. Wer einige Jahre nicht teilgenommen hat, oder Erststarter in Hamburg ist, findet sich in den letzten Startblöcken wieder. Es gibt also reichlich Teilnehmer, die überholt werden können (sofern sie sich überholen lassen).

Nach dem Überfahren der Startlinie ging es gleich richtig zur Sache. Mit zeitweise 40 - 50 km/h ging es durch den Freihafen in Richtung Süden. Ein Highlight der ersten Kilometer ist das Überqueren der Köhlbrandbrücke.Köhlbrandbrücke

Hier zeigte sich aber, dass die Starter nach nur 10 Kilometern noch so dicht zusammen fuhren, dass es auf der Steigung zur Brücke regelrechte Staus gab. Erst danach entspannte sich die Situation. Es war aber weiterhin große Aufmerksamkeit gefragt, um schnell, aber gleichzeitig sicher voran zu kommen. Die Strecke führte durch das Alte Land in Richtung Nordheide bis nach Buchholz und Jesteburg und von dort wieder zurück nach Norden in Richtung Harburg und in die Hamburger Innenstadt. Eine Gruppe zu finden, in die man "hineinpasste" war kein Problem und so verging die Zeit auf der Strecke, wie im Flug. In allen Orten wurden die Radsportler von begeisterten Zuschauern empfangen und angefeuert. Der Höhepunkt der Strecke waren zweifellos die letzten Kilometer durch die Hamburger Innenstadt über den Jungfernstieg und den Gänsemarkt bis zum Zielsprint auf der Mönckebergstraße, wo wenig später auch die Profis um die Plätze kämpften. Hier hatten sich schon tausende Zuschauer eingefunden, die jeden Sportler begeistert empfingen.

Trotz des zeitweiligen Gedränges auf der Strecke konnte ich meine eigene Zeitvorstellung umsetzen und mit einem Schnitt von etwas mehr, als 36 km/h das Rennen beenden. Damit landete ich zumindest im ersten Drittel der Sportler (alle Altersklassen) auf der 100 Km-Strecke.

Cyclassics2011

Fazit: Diese Veranstaltung ist ein riesiges Spektakel mit hervorragender Organisation und (schönes Wetter vorausgesetzt) einem hohen Erlebniswert. Auf abgesperrter Strecke vor dieser Kulisse die Kilometer abzuspulen ist sicher einzigartig. Den sportlichen Wert der Veranstaltung für die Jedermänner muss man relativieren, denn auf der Strecke ist das Leistungsniveau sehr breit gestreut, was oft zu Verzögerungen führt und erhöhte Vorsicht gebietet.

Eine Teilnahme lohnt aber auf jeden Fall - vielleicht im nächsten Jahr mit mehreren Teilnehmern des RSC (wenn nicht wieder irgendwelche Linksabbieger dazwischen kommen).

 
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