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Pässetour 2014 PDF Drucken E-Mail

Alpenpässe sammeln mit dem RSC Grünberg

Zehn Pässe in 4 Tagen mit dem Rennrad

Sechs Radsportler des RSC Grünberg starteten Anfang September in Richtung Engadin, um im Dreiländereck zwischen der Schweiz, Österreich und Italien einige der bekanntesten Alpenpässe mit dem Rennrad zu erklimmen. Das Besondere der Tour: 4 Tage - 3 Länder - 3 Kulturen - 3 Sprachen und 10 klangvolle Pässenamen.

Ein Jahr lang hatte Vereinsvorsitzender Friedhelm Görge um "Mitstreiter" geworben, die bereit waren, die Herausforderung anzunehmen. So gesellten sich am Ende Roland Lohse, Christoph Merkelbach, Werner Möstl, Karl-Heinz Schäfer und Wilfried Scharmann dazu, bereit für die Jagd nach den Höhenmetern

Nachdem es am Anreisetag in Scuol noch in Strömen geregnet hatte, lichteten sich die Wolken am darauf folgenden Tag und die Fahrer konnten auf trockene Bedingungen hoffen. Warme Kleidung war trotzdem angebracht, da es am vorangegangenen Wochenende auf den höchsten Pässen noch geschneit hatte.

Die Reiseroute war gut geplant und der tägliche Hotelwechsel und Gepäcktransport war mit tatkräftiger Unterstützung mitreisender Ehefrauen, die das Begleitfahrzeug fuhren, kein Problem.

Am ersten Tag führte die Route das Inntal hinauf bis nach Zernez und anschließend zum ersten Mal auf über 2.000 Meter über den Ofenpass (2.145 m) und anschließend hinab über die Grenze nach Italien ins Vinschgau. Obwohl der Reschenpass dann vor dem Tagesziel Nauders in Tirol nur eine vergleichsweise kleine Hürde darstellte, verlangten die letzten Kilometer vollen Krafteinsatz bei stürmischem Gegenwind.

Am Tag 2 stand die Etappe über das Dach der Pässetour, das Stilfser Joch, an. Einmal diese Passstrasse zu bezwingen ist der Traum eines jeden Rennradlers. Von Prad im Vinschgau steigt die Straße über 24 Kilometern über 48 spektakuläre Kehren und mit einem Höhenunterschied von 1.800 m mit bis zu 15% Steigung auf die Passhöhe von 2.758 m. Damit ist dieser Pass der dritthöchste zu befahrende Pass in den Alpen. Eine wahre Herausforderung und bei aller Quälerei ein Genuss. 

 

Besonders ab der Franzenshöhe in 2.187 m scheint die Straße mit den letzten 22 Kehren an der scheinbar senkrechten, vegetationslosen Wand zu kleben. An der Passhöhe herrschte Kirmesstimmung. Dies und die niedrigen Temperaturen von nur 5 Grad Celsius auf dem Pass legten den Wunsch nach einer schnellen Abfahrt nahe. Über den Umbrailpass mit seiner Passhöhe von 2503 m führte eine steile Abfahrt in das schweizerischen Münstertal. So erreichte die Gruppe leicht ausgekühlt, aber wohlbehalten das 2. Tagesziel Santa Maria.

Tag 3 sollte nicht ganz so hart werden, aber die Tour zum Etappenziel in Livigno führte erneut über den Ofenpass. Diesmal allerdings über die etwas schwerere Ostanfahrt. Wieder im Tal der Ova dal Fuorn angekommen konnten die Radler für einige Minuten entspannen, denn die Zufahrt nach Livigno ist von hier nur durch den Munt-la-Schera-Tunnel möglich, den Radfahrer nur mit einem Shuttle-Bus durchfahren können. Nach ebener Fahrt am Lago di Livigno blieben nach der Ankunft am Tagesziel Livigno noch genügend Körner für einen Abstecher zum Passo d'Eira (2.208 m) und den Passo Foscagno mit einer Passhöhe von 2.291 Metern.

 Auf dem Albula Pass

Am 4. Tag der Etappentour waren nochmal alle Kräfte gefragt. Es galt es die Königsetappe zu bewältigen. Dabei standen bei einer Streckenlänge von 141 Kilometern 4 Pässe mit großen Namen auf dem Programm. Nach Forcola di Livigno (2.315 m) und dem Berninapass (2.330 m) folgte eine Abfahrt über 28 Kilometer, dem jungen Inntal abwärts folgend, bis nach Punt im Engadin. Dort begann der nur etwas über 7 Kilometer lange Anstieg zum Albulapass (2.312 m), der die Radsportler mit einer ruppigen Steigung auf den ersten Kilometern voll forderte. Zurück von der Passhöhe in Punt folgte die Gruppe der Straße wieder innabwärts bis Susch, von wo der letzte Anstieg zum Flüela (2.383 m) in Angriff genommen wurde. Auch hier wurde den Teilnehmern nichts geschenkt. Auf 13,5 Kilometern galt es nochmals fast 1.000 Höhenmeter zu meistern und jeder merkte die vorangegangenen 3 Pässe in den Beinen. Nach happigen ersten Kilometern forderte der Pass auch im oberen Bereich durch lange, fast gerade Steigungen mit hohen Prozentzahlen  die letzten Reserven. Auf den letzten Kilometern testete der Pass auch die psychische Belastbarkeit, denn mehrere Male denkt man, die Passhöhe zu erahnen. Jedoch entpuppte sich das vermeintliche Hospiz abermals als „nur” ein Bauernhof oder eine Alpwirtschaft. So zog sich der Aufstieg über mehrere Kilometer dahin. Erst beim Erreichen von zwei kleinen Bergseen erblickt man das echte Hospiz und somit die Passhöhe.

Nun konnten alle die verbleibenden Kilometer genießen. Nach rasanter Abfahrt zurück nach Susch blieb noch eine flache Strecke von ca. 20 Kilometern bis zum Ausgangspunkt der Tour in Scuol, die sich geradezu mühelos anfühlte.

So erreichte die Gruppe das Ziel erschöpft, aber zufrieden. Unfallfrei, ohne Panne und ohne Regen wurden bei dieser Tour insgesamt 390 Kilometer und 8.200 Höhenmeter bewältigt. Ein großes Abenteuer, für das man etwas Trainings-Vorbereitung benötigt, das aber mit seinen Eindrücken und überwältigenden Landschaften entschädigt und in Erinnerung bleibt. Bei einem gemeinsamen Abend konnten die Sportler vor der Abreise am Freitag nochmals in Erinnerungen schwelgen und sich über neue Tourenpläne austauschen.

Wer mehr über die Tour erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, die Teilnehmer anzusprechen.

 

   

 

 
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